Abklatschtest

Ein Abklatschtest (auch Kontaktplattentest, Sedimentationstest oder RODAC-Test – Replicate Organism Detection and Counting) ist eine standardisierte Methode zur mikrobiologischen Oberflächenkontrolle. Er dient dazu, die Keimbelastung auf gereinigten oder desinfizierten Flächen objektiv zu messen und die Wirksamkeit von Reinigungsmaßnahmen wissenschaftlich nachzuweisen.

Funktionsweise und Durchführung

Bei einem Abklatschtest wird eine spezielle Kontaktplatte – meist eine runde Petrischale mit einem Durchmesser von etwa 55 mm – verwendet, die mit einem gebrauchsfertigen Nährboden beschichtet ist. Dieser Nährboden ist speziell dafür ausgelegt, Mikroorganismen aufzunehmen und ihr Wachstum zu fördern.

Die Platte wird mit gleichmäßigem Druck für wenige Sekunden direkt auf die zu prüfende Oberfläche aufgesetzt. Dabei haften Mikroorganismen – also Bakterien, Hefen, Schimmelpilze oder andere Keime – vom Untergrund auf dem Nährboden an. Nach diesem „Abklatsch“ wird die Platte verschlossen, beschriftet und für 24 bis 72 Stunden bei einer definierten Temperatur (meist 30–37 °C) bebrütet. In dieser Zeit wachsen die übertragenen Keime zu sichtbaren Kolonien heran, die anschließend gezählt werden. Das Ergebnis wird in KBE (koloniebildende Einheiten) pro Fläche angegeben.

Einsatzgebiete

Der Abklatschtest findet überall dort Anwendung, wo Hygienanforderungen nachgewiesen und dokumentiert werden müssen:

  • Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen nutzen den Test, um sicherzustellen, dass patientennahe Flächen wie Bedrails, OP-Tische oder Türgriffe keimarm sind.
  • Lebensmittelindustrie und Gastronomie: Arbeitsflächen, Schneidebretter und Maschinen müssen regelmäßig auf mikrobielle Belastung geprüft werden, um Lebensmittelkontaminationen und daraus resultierende Erkrankungen zu verhindern.
  • Pharmaindustrie und Reinräume: Hier gelten extrem strenge Grenzwerte. Abklatschproben auf Produktionsflächen, Werkzeug und Verpackungsmaterial sind fester Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems.
  • Gemeinschaftseinrichtungen: Kindergärten, Schulen, Sporthallen und öffentliche Einrichtungen setzen den Test ein, um die Reinigungsqualität regelmäßig zu überprüfen.
  • Hotellerie: Sanitäranlagen, Zimmerflächen und Spa-Bereiche werden stichprobenartig getestet.

Bewertung der Ergebnisse

Die Auswertung erfolgt anhand anerkannter Normen, etwa der EN ISO 18593 (Probenahme von Oberflächen mit Kontaktplatten). Je nach Branche und Anwendungsbereich gelten unterschiedliche Grenzwerte:

  • 0–5 KBE: Sehr gutes Ergebnis, Fläche gilt als hygienisch einwandfrei.
  • 5–25 KBE: Akzeptabler Bereich, je nach Kontext tolerierbar.
  • Über 25 KBE: Erhöhter Handlungsbedarf – Reinigung und Desinfektion müssen überprüft und ggf. intensiviert werden.

Zusätzlich zur reinen Quantität ist auch die Qualität der Keime relevant: Welche Erregerspezies wurden nachgewiesen? Krankenhauskeime wie MRSA oder multiresistente Gram-negative Bakterien erfordern sofortige Maßnahmen, selbst bei niedrigen Koloniezahlen.

Vorteile des Abklatschverfahrens

Der Test ist in der Praxis weit verbreitet, weil er mehrere überzeugende Vorteile bietet: Er ist einfach in der Handhabung und erfordert keine aufwendige Laborausrüstung vor Ort. Die Probenahme dauert nur wenige Sekunden, und die Platten sind gebrauchsfertig verfügbar. Gegenüber klassischen Abstrichtupfern bietet der Abklatschtest den Vorteil, dass eine definierte Fläche direkt beprobt wird, was die Ergebnisse vergleichbarer und reproduzierbarer macht.

Grenzen und Einschränkungen

Trotz seiner Vorteile hat der Abklatschtest auch Grenzen. Er ist nur für glatte, ebene Oberflächen gut geeignet – auf rauen, porösen oder unregelmäßigen Flächen liefert er unzuverlässige Ergebnisse. Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Sofortauswertung: Das Ergebnis liegt erst nach der Bebrütungszeit vor, was im laufenden Betrieb hinderlich sein kann. Außerdem erfasst der Test nur kultivierbare Keime – Mikroorganismen, die auf dem verwendeten Nährboden nicht wachsen, bleiben unsichtbar.

Fazit: Der Abklatschtest ist ein bewährtes, kosteneffizientes und normkonformes Werkzeug zur Qualitätssicherung in der Reinigungsbranche. Er schafft objektive, dokumentierbare Nachweise für die Reinigungseffizienz und ist damit ein unverzichtbares Instrument überall dort, wo Hygiene nicht nur versprochen, sondern auch bewiesen werden muss.

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.