Bohnern

Bohnern bezeichnet das Reinigen und Pflegen von Fußböden durch das Auftragen und Einreiben von Bohnerwachs. Der Begriff stammt vom Wort Bohne – nicht der Hülsenfrucht, sondern einem alten deutschen Ausdruck für Glanz oder Schimmer. Gebohnerte Böden galten jahrhundertelang als Zeichen von Sauberkeit und Gepflegtheit eines Haushalts.

Herkunft und Geschichte

Das Bohnern hat eine lange Tradition in deutschsprachigen Haushalten, besonders vom 19. Jahrhundert bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. In vielen Familien war es ein fester Bestandteil des Wochenendreinigungsrituals. Holzdielen, Parkett und Linoleumböden wurden regelmäßig mit Bohnerwachs behandelt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen, ihnen Glanz zu verleihen und die Haltbarkeit zu verlängern.

Ablauf

Das klassische Bohnern erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst wird der Boden gründlich gefegt und gegebenenfalls feucht gewischt. Anschließend trägt man das Bohnerwachs – früher ein festes Wachs auf Basis von Carnaubawachs oder Bienenwachs – mit einem Lappen oder einer Bürste auf. Nach einer kurzen Einwirkzeit wird der Boden mit einem Bohnerbesen, einem speziellen Gerät mit breitem Bürstenkopf, kräftig poliert, bis er glänzt.

Heute

In modernen Haushalten ist das klassische Bohnern weitgehend verschwunden. Pflegeleichte Böden aus Laminat oder Vinyl sowie spezielle Bodenreiniger haben das aufwändige Wachsen verdrängt. Dennoch erlebt das Bohnern in der Denkmalpflege und bei der Restaurierung historischer Gebäude eine Renaissance, da Bohnerwachs für alte Holzböden und Natursteinböden nach wie vor das schonendste und wirksamste Pflegemittel ist.

Der Ausdruck „wie gebohnert“ hat sich als Redewendung im Deutschen erhalten und beschreibt etwas besonders Glänzendes oder Gepflegtes.

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